Weißer Sand

Ich baue mir aus weißem Sand
ein Boot, es liegt ruhig in der Hand.
Kein Wind dringt je an diesen Ort;
kein Regen und kein böses Wort.

Doch ewig lockt der Sonnenschein,
dringt auch ins tiefste Dunkel ein.
Und steht der Mond im schönsten Kleid,
so naht von fern ein neues Weib.

So lächle nicht, du Sündenschrein!
Wirst doch nur mein Verderben sein.
Ich bin schon krank, werd kränker noch
und fasse schließlich in den Docht.

Das Segel bald schon Feuer fängt,
die Nixe kein Erbarmen kennt.
Ich reiß das Herz mir aus der Brust –
weil ich sie ja doch haben muß!

So fletscht’s die Zähne, spricht das Biest:
»Mein wahres Antlitz du nun siehst!«
Es tost und braust und keift das Meer,
ich würg mich selbst und falle schwer

und glaub mich also endlich frei.
Doch weh! es ist noch nicht vorbei:
Ich find mich bald auf weißem Strand –
dort bau ich mir ein Schiff aus Sand.

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