Vergessen

Wo die Ozeane scheiden,
wirst Du mir fehlen,
kleine Sonne.
Wo die Schatten endlos leiden,
werd ich stranden
ohne Sinn.

Das Meer wirft Anker in mein Blut,
mich zu bestehlen,
und mit ihm wird Verdürbnis branden,
gibt sich wortlos ohne Wonne
treu dem Leiden hin.

Ein Schiff singt mit der roten Flut,
mich zu betören,
und läßt sich längs zum Ufer treiben,
will den Dämon nicht beschwören
und mich selbst entleiben.

Aber wo die Wolken brechen,
wirst Du nicht scheinen,
kleiner Stern.
Wo die Engelschöre sprechen,
werd ich fallen
ohne Halt.

Ein Blitz wirft Anker in mein Fleisch,
verbrennt das Leinen,
wird bald das ganze Schiff sich krallen.
Rettung naht nicht, viel zu fern,
der Nebel legt sich kalt.

Die Stare stürzen mit Gekreisch
auf meine Wunden,
zerlegen mein Gebein besessen.
Wo bist Du, ach, in diesen Stunden?
Hast mich lang vergessen.

Liebe und Tod als immer wiederkehrende Motive: Licht und Schatten stehen einander nicht einfach gegenüber, sondern gehen notwendig auseinander hervor und vereinen sich schließlich wieder. Dabei ist die Bewegung weniger eine kreis- als vielmehr eine ellipsenartige, die sich nur hie und da im Labyrinth des Lebens verliert, ständig auf der Suche nach dem Kern desselben, und zwar um seiner selbst willen – was immer dieser sei. Vielleicht heißt es in diesem Sinne ganz recht: Der Weg ist das Ziel.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s