Kinderlos

Am Himmel brennen Augenlider
wie Schmelztigel auf rohem Sand.
Ein Zucken fährt in alle Glieder
und raubt mir heimlich den Verstand.

Es eilt hinaus aus Aschenstürmen
ein feister Wind zu Feuers Glut.
Ich häuf die Schädel auf zu Türmen
und zehre lang noch von dem Blut.

Da taucht fernab am Horizonte
ein Blitzen auf und macht mich blind.
Ich tat dazu wohl, was ich konnte,
und habe doch kein eignes Kind.

Am Ufer wandern Schalentiere
und knistern so mit grausig Lärm.
Sie merken nicht, wie sehr ich friere,
und beißen sich in mein Gedärm.

Ein Klassiker melancholisch-düsterer Sehnsucht: Überdrüssig des Leidens an einer zerfallenden Welt, grobschlächtig und pervertiert, jeder Hoffnung schon längst die Kehle durchtrennt, ergibt sich das lyrische Ich der Dunkelheit. Das äußerliche Zerfressenwerden hebt das innere Zerfressensein auf. Leid ersetzt Leid, Glück aber drängt sich auf, beansprucht eignen Platz und hinterläßt, wenn es von dannen zieht, Leerstellen, die kein andres Glück füllen will. Das Leid hingegen nimmt jeden ihm sich bietenden Platz alsbald ein, treu und unermüdlich bleibt es einem lebenslang.

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