Das Angstpapier

So quillt es auf zu Alp und Mären,
das Angstpapier, ich ließ es los –
ich wollt’ mich nur der Furcht erwehren,
die sich gebar in nächtlich’ Schoß.

Ein Tränlein rollte von den Wangen
im Silberscheine aufs Papier.
Da ließ ich es mit Angst und Bangen
auf seine Reise fort zu dir.

Der Kelch, aus dem der Wein geflossen,
verrostet nun, vom Staub liebkost.
Hab mir ein Stück vom Mond geschossen
und fand darin doch keinen Trost.

Es nagt der Winter schon, die Wälder
erbrechen sich zu kaltem Schein:
Noch einmal streife ich die Felder
und schlafe traumtot endlich ein.

Zweifelsohne einer meiner persönlichen Favoriten. Mit dem Papier, das alle Unerträglichkeit des Denkens und Fühlens in der Form schwerschwarzer Worte trägt, läßt das lyrische Ich gleichsam alle Hoffnung fahren. Dabei zieht, wie es der urbane Mythos will, das Liebesleben in all seinen grausamen Einzelheiten und maßlos überhöhten Bedeutungslosigkeiten noch einmal an ihm vorrüber, ehe es endlich durch das Erlischen der Lebensflamme von seinem Leiden erlöst.

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