Wolkenschaum

Ein Stein ist mir aufs Herz gefallen
wie Winternächte auf das Land.
Zerbrochen, ach, was ich einst fand,
wie weiland mein gekrümmter Schatten.
Die Unschuld zeigte ihre Krallen –
Konturen, die sie niemals hatten.

Am Bruchgefälle hängt zerrissen
das Funkeln eines lichten Traums.
Ich labte mich, man glaubt es kaum,
an Wolkenschaum und Honigfaden,
an Worten, so nun längst verschlissen –
was übrigbleibt, ist für die Maden.

Alles ist Dekadenz, Zerfall. Das menschliche Leben stellt den Versuch dar, das unausweichliche Schicksal der in Porzellanfiguren sich manifestierenden Sehnsüchte, zur Form- und Bedeutungslosigkeit zurückzukehren, zu ignorieren. Der Preis für diese unsre Eitelkeit ist nicht der Tod – dieser ist immer gnädig –, sondern das Sterben. Der Tod kommt niemals plötzlich, sondern auf Raten. Daß er uns bisweilen überrascht, liegt, wie gesagt, nur daran, daß wir die Zerbrechlichkeit des Porzellans, aus dem wir gemacht, geflissentlich ignorieren.

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