Von großen Erfolgen, ewigen Wahrheiten und andrem muntrem Zeitvertreib

Papadimos, den ich zuletzt als jemanden, »der sich damit auskennt«, bezeichnet habe, womit ich unmißverständlicherweise die Finanzpolitik im Sinne der Finanzoligarchie meinte, hat sich nunmehr selbst offen zum Finanzdiktator und Schicksalslenker Griechenlands erklärt. Thanassis Pafilis, Abgeordneter der Kommunistischen Partei Griechenlands, bemerkte hierzu ganz richtig, daß mit der Bildung eines Kabinetts unter dem neuen Premier die »Masken der bürgerlichen Parteien und des Kapitals gefallen« seien.1 Die bisherige Politik unter dem alten Premier Papandreos bezeichnete Papadimos (die gleichanlautenden Namen seien hier, trotz allen von ihnen ausgehenden Reizes in dieser Richtung, nicht dazu verwandt, Verschwörungstheorien zu spinnen) allen Ernstes als »erfolgreich«. Inwiefern man etwas »erfolgreich« nennt, hängt zweifelsohne und zugestandnermaßen davon ab, was man unter »Erfolg« versteht. Wenn beispielsweise der Arzt unter »Erfolg« versteht, daß der Patient nicht länger leidet, zählt es gleichsam als Erfolg, wenn er ihn zuerst stranguliert, um ihm dann den Kopf abzuschneiden und schließlich einige Liter Antibiotika in den offnen Hals zu schütten. Papandreous und seinesgleichen haben den Patienten Griechenland bisher stranguliert, Papadimos gedenkt nun, die Behandlung zu ihrem »erfolgreichen« Ende zu führen, indem er Griechenland den Kopf abschneidet und einige Liter Antibiotika in den Rachen schüttet. Wenigstens richten in diesem Falle die Antibiotika keinen weitren Schaden an.
Anders sieht es in der Tierhaltung aus. Eine Studie hat – wen nimmt es wunder – kürzlich ergeben, daß in der Massenhaltung von Hühnern nachgerade alle Tiere Antibiotika erhalten.2 Damit aber fördert man nicht bloß die Resistenzbildung der Bakterien unter den Hühnern, sondern ingleichen und insonderheit beim hühnerfleischverzehrenden Menschen, für den Antibiotika mithin nutzlos werden, so daß er selbst in einem unnötigen Maße schutzlos wird. Allein wenn wir von Lebensmitteln und der Bedenklichkeit von deren Verzehr anfangen, müßten wir letztlich – um das Ganze abzukürzen – darauf schließen, daß wir überhaupt nichts mehr essen dürften. Dies nenne ich ein klassisches Dilemma: Essen und zugrunde gehen oder nicht essen und zugrunde gehen – beziehungsweise: Wenn wir essen, gehen wir zugrunde; wenn wir nicht essen, gehen wir zugrunde. Streng logisch ausgedrückt:

P1 p → r
P2 ~ p → r
K r

Unterdes fabulieren die Vereinigten Staaten von Amerika wieder einmal eine kriegerische Bedrohung herbei, die ausschließlich mit militärischen Mitteln zu bekämpfen sein wird. Ein Krieg dieser Art hat stets mehrere positive Effekte: Erstens kann man damit Menschen, die einem unliebsam sind, aus dem Wege Räumen, zweitens kann man die eigne Wirtschaft, insonderheit die Waffenindustrie, ankurbeln und drittens kann man damit unheimlich gut von den eignen Unzulänglichkeiten und Problemen ablenken. Nachdem Afghanistan und Irak mehr oder minder stark ausgeblutet sind und ihre positiven Wirkungen verloren haben, muß nunmehr Iran als Prügelknabe herhalten. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben offenbar bereits alle Hebel ihrer Propagandamaschinerie in Gang gesetzt: Es gibt zwar keine eindeutigen, objektiven Beweise, aber die Iraner müssen einfach nuklearwaffenfähiges Material und die zugehörige Technik haben! Immerhin hat dies irgendwer irgendwo irgendwann irgendwie vermutet, und was braucht man mehr als ein wenig Hörensagen? Man stelle sich bloß vor: Wilde, unzivilisierte Barbaren aus dem Osten halten in ihren Händen eine Waffe, mit der man die Welt untergehen lassen könnte. Wie man verantwortungsvoll mit diesem Wissen und der konkreten Waffe umgeht, wissen doch einzig die Amerikaner, aus deren Perspektive es um sie herum ausschließlich Wüsten und Einöden gibt, bewohnt von wilden Horden islamistischer, homosexueller, kommunistischer – und welche Eigenschaften immer sonst die Errungenschaften der Zivilisation gefährden mögen – Barbaren, die das aufrechte Amerika in jedem Augenblicke neidisch beobachten und zu zerstören suchen. Was zählen schon Fakten, wenn man als einzige, ewige und unanfechtbare Wahrheiten gesegnete Vorurteile hat?
Ähnliches denkt anscheinend der vom Zwergpintscharkozy im inoffiziellen Gespräche mit Barack Obama versehentlich vor Journalisten als »Lügner« gebrandmarkte Premier Israels, Benjamin Netanjahu. Immer nur die Palästinenser im allgemeinen terrorisieren – das ist ihm verständlicherweise zu langweilig, um weswillen er ebensoviel Energie in die Vertreibung der Beduinen aus ihren angestammten Gebieten investiert.3 Abwechslung muß schließlich sein! In einem Motörhead-Stück heißt es passenderweise: ‘I am the game and I make the rules, so move on out here and die like a fool!’4

Anmerkungen
1. Zitiert nach junge Welt (jW), Nr. 266, vom 16. November 2011, S. 6.
2. Vgl. ebendaselbst, S. 4. Siehe unter andren auch http://www.n-tv.de/ratgeber/Fast-alle-Masthaehnchen-gedopt-article4780061.html, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,797970,00.html, http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Bei-Masthaehnchen-wird-massiv-Antibiotika-eingesetzt-id17306496.html und http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-14113-2011-11-16.html.
3. Siehe dazu unter andrem http://www.mischwaldserver.de/randbemerkerin/tag/israel/.
4. Motörhead:‘The Game’; RAW Greatest Hits. The Music, Sme Media (Sony Music), 2008.

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