Gute Nacht

Meine Mutter ist blind,
ich habe Fieber in den Augen,
und auf dem Grabe meines Vaters
wächst das Glas zerbrochner Träume.

Süß ist nur der Augenblick,
schon zerfällt er in Vergangenheit.
Am andern Ende wohnt wie Schnee
die Eitelkeit, aus der sie floß.

Wie weiland Strand und windzerstoben,
abhangschwer und ausgehaucht,
lang bewässert über Treibsand,
heute licht und unverbraucht.

Mein Liebchen ist blind,
ohne Fieber in den Augen,
und auf dem Grabe meines Vaters
sind die Kerzen ausgebrannt.

Jenseits des Sinn- und Zusammenhangszwanges liegen Welten, unergründlich, unbegriffen. Eben dort liegen unsre Träume, übernah und unerreichbar. Nichts geht jemals verloren, nichts wird vergeben, nichts vergessen. Jeder von uns wird von diesem Speicher entbunden, sobald er stirbt, aber der Speicher selbst lebt sich fort in denen, die lebend zurückbleiben.

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