Von »Transparenz« und andren Worthülsen

Ein altes Sprichwort sagt, »Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.« Offenbar gilt dies jedoch für viele Menschen nicht. Jedenfalls kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren, wenn in den Medien, insonderheit im Fernsehen, davon schwadroniert wird, Christian Wulff hätte doch endlich »die ganze Wahrheit sagen« müssen, oder er habe anscheinend nicht das richtige Profil für das Amt des Bundespräsidenten. »Transparenz« hat Wulff gelobt, und offenkundlich sind wieder einmal viele Vollidi… äh … Bürger auf diese Worthülse hereingefallen. Das wäre nicht passiert, hätten Sie jemanden gefragt, der sich damit auskennt – oder einfach erkannt, daß jede Person, die in derlei Ämter aufsteigt (oder im Falle des Bundespräsidialamtes: abgeschoben wird), mit Bestechungsgeldern und Vetternwirtschaft in Berührung gekommen sein muß, um überhaupt dorthin zu gelangen. Selbstredend ist das Bundespräsidialamt nicht mit dem Einfluß eines Bundeskanzleramtes ausgestattet, allein der allgemeine Einluß reicht immer noch weit genug, um beispielsweise unliebsame Berichte zu unterdrücken und unbiedere Journalisten einzuschüchtern. Wenn Menschen wie Christian Wulff gezwungen würden, »die ganze Wahrheit zu sagen«, müßte man zunächst eine FSK-Prüfung vornehmen und die Bürger mit Brechtüten wie im Flugzeug versorgen, da Politiker von solchem Kaliber soviel Dreck am Stecken haben, daß einem nichts andres übrigbleibt, als sich zu erbrechen.
Doch wer weiß, womöglich naht die Rettung schon in Form von Super-Angela, die (wir wollen hier keine unglimpflichen historischen Parallelen ziehen) beide Ämter, das ist das Bundeskanlerzamt sowohl als das Bundespräsidialamt, auf sich vereinen könnte. Indem sie dies täte, hätte sie dann endlich die lange versprochne »gemeinsame Lösung« gefunden, denn »es geht«, das wissen wir, »nur gemeinsam«. Überdies sparte sie damit auch noch Zeit, denn eine Gesetzesverabschiedung, die die Unterschrift des Bundespräsidenten erfordert, könnte sie dann auch gleich selbst zeichnen.
Am Ende ihrer Legislaturperiode dürfte sie sich insgesamt in ihren Memoiren schließlich rühmen, etwas geschafft zu haben, was noch niemand vor ihr geschafft hat: den oft beschworenen, fälschlich befürchteten und stets hinausgezögerten Untergang des Abendlandes herbeigeführt zu haben!

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