Zwischenmenschliche Beziehungen: Was ich niemals verstehen werde

Im Laufe unsres Lebens begegnen wir, je nach Umfeld, Charakter und Aktivität, einer Vielzahl von Menschen. Mit manchen verstehen wir uns gut, mit andren weniger gut, zu den einen entwickelt sich eine starke Bindung, wider die andren eine starke Abneigung. Unsre geselleschaftlichen Verflechtungen ändern sich stetig. Selbst wenn wir uns irgendwo dauerhaft niederlassen und regelmäßig mit denselben Menschen verkehren, verändern wir selbst uns sowohl als die andren Menschen, mit denen wir verkehren, und somit ingleichen die zwischenmenschlichen Beziehungen.
Wieviel Wert wir im allgemeinen auf zwischenmenschliche Beziehungen legen, variiert unterdes invidivuell und hängt zum Teil von dem Talent ab, solche Beziehungen zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Wem dies allgemein schwerfällt, wird weniger geneigt sein, sich zwischenmenschlich zu betätigen, selbst wenn er oder sie sich nach Zwischenmenschlichkeit sehnen sollte. Umgekehrt gibt es ebenso Menschen, denen es leichtfällt, zwischenmenschliche Kontakte zu knüpfen, die aber trotzdem keinen besondren Wert darauf legen.
Was ich indes niemals verstehen werde, ist, daß es Menschen gibt, mit denen man sich gut zu verstehen glaubt, nur damit diese dann urplötzlich und ohne offensichtlichen Grund oder Erklärung den Kontak zu einem abbrechen. Ich habe kein Problem damit, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, mich Kritik zu stellen und Kritik zu üben, solange diese gerechtfertigt ist und sachlich bleibt. Ebensowenig habe ich ein Problem damit, daß jemand einen völlig andren Standpunkt als ich vertritt und man sich bezüglich gewisser Aspekte nicht einigen kann. Mit alledem kann ich bestens leben.
Es gibt jedoch zweierlei, was mich äußerst empfindlich trifft: zum einen, wenn Menschen einer offnen Auseinandersetzung aus dem Wege gehen und diese mittelbar führen, zum andren, wenn Menschen, statt mit mir zu reden, einfach den Kontakt zu mir abbrechen, ohne daß ich auch nur ansatzweise wüßte, was der Grund dafür sein könnte. Ich empfinde dies als äußerst respektlos mir gegenüber, und es verletzt wirklich meine Gefühle.
Handelt es sich dabei um Feigheit, Verlogenheit, Gleichgültigkeit? Bisweilen lebt man sich auseinander, man verändert sich in einander entgegengesetzte Richtungen, so daß man es einfach nicht mehr miteinander aushalten kann. Allein wenn man das Gefühl hat, alles sei in bester Ordnung, habe sich sogar noch verbessert oder könne sich noch verbessern, dann empfindet man den plötzlichen Abbruch eines Kontaktes als Tiefschlag sondergleichen.
Mein Vater sagte einmal bezüglich meiner Loyalität und meines Enthusiasmus, was meine Freunde und Bekannten anlangt: »Du bist zu gut.« Nun, vielleicht. Aber ich kann auch nicht anders sein. Mir ist nun einmal nicht einfach alles gleichgültig, und das Elend andrer läßt mich nicht kalt. Was also tun? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß es einfach nicht mehr. Mir kommen nur noch zwei Worte in den Sinn: verzweifeln und sterben.

10 thoughts on “Zwischenmenschliche Beziehungen: Was ich niemals verstehen werde

  1. Ich bin nun mutmaßlich einer der gleichgültigsten und kaltherzigsten Menschen auf der Welt (und werde unter anderem deshalb auch deinen Lösungsvorschlag nicht kommentieren), aber ich kann zumindest bestätigen, dass mich das auch immer sehr erstaunt, wenn Leute das machen.
    Mir selbst passiert das eigentlich nie, aber ich beobachte es manchmal bei anderen.

  2. 1. Schöner Blog, interessante, gut geschriebene Texte🙂
    2. Ich versteh’s auch nicht, warum Menschen sowas tun … das kann man wohl auch nur, wenn man die Person ist oder die Hintergründe genau kennt… hm.

  3. So, von Muriels Danksagungsbeitrag hergeschwemmt und gleich dreist in die Kommentarleiste herein platzen. Mir geht es ähnlich, allerdings weiß ich mittlerweile (leider), dass es manchmal auch Gründe dafür gibt, die einen selbst nicht betreffen und auch mal schwerer wiegen können, als Respekt vor dem Bekanntenkreis. Die sind dann auch mal tragischer Art und wenn man diesen Menschen auch noch hinterherwütet, wiegt das dann auch auf einen selbst noch schwerer. Für alle anderen fordere ich allerdings auch Strafen in Form von endlos langen Schlangen an Supermarktkassen für den Rest ihres Lebens.

    • Nichtsdestoweniger wäre es aber den betreffenden Personen zumutbar, einem mitzuteilen, daß man keinen Kontakt mehr halten möchte oder kann. Ich kann damit abschließen, wenn man mir es wenigstens mitteilt. Im umgekehrten Falle bleibt es hingegen eine offne Wunde.

  4. Mir ist nun einmal nicht einfach alles gleichgültig, und das Elend andrer läßt mich nicht kalt.

    Das ist schön … für dich. Endet aber schlimmstenfalls in einer hirnlosen Herzlichkeit. Damit, dass du den Fehler der Zeitgeis-Linken begehst, Anwalt in fremden Namen zu spielen.

    • Leider erschließt sich mir nicht wirklich, was Du mir mit diesem Kommentar sagen möchtest. Ich meinte jedenfalls, daß es zu meinen grundlegenden Charakterzügen gehört, daß mir nicht alles gleichviel ist. Es ist etwas, was ich nicht ändern kann und was ich nicht leugnen will.
      Darüber hinaus sollte Dir klar sein, daß es bei mir keine hirnlose Herzlichkeit gibt. Denn wiewohl ich sensibel bin, begegne ich den meisten Problemen mit scharfem Verstand. Kurz, das eine schließt das andre nicht zwingend aus.

  5. Deine Texte sind für mich, soweit ich sie gelesen habe, intellektuell so herausfordernd, dass ich es kaum wage, Kommentare zu schreiben. Hier traue ich mich mal: Mir ist dieses Phänomen oft begegnet und begegnet mir auch heute immer wieder. Mich wirft es immer aus der Bahn, wenn ich realisiere, dass das wieder passiert ist. Ich bin dem ein paar Mal hartnäckig nachgegangen und habe dann herausgefunden, dass es diesen Fällen keinen vernünftigen Grund (wie etwa, man habe jemanden beleidigt o. ä.) gab. Umkehrbar war dieser Kontakt-Abbruch in keinem Fall.

    Man muss sich an den echten Freunden und der Familie freuen. Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein.

  6. Also ich hab es schon öfter erlebt und auch von anderen gehört, dass der Kontaktabbruch aufgrund vom Verlust entgstehender Menschen zustande kam, die Person sich danach einfach nur noch zurück ziehen wollte und nicht die Energie hatte, sich mit Menschen zu umgeben. Selbst wenn ich mir in diesem Fall – vor allem, wenn ich nicht weiß, was passiert ist – vor den Kopf gestoßen fühle, würde ich niemandem vorhalten wollen, er/sie hätte sich doch bitte mal die Mühe machen können, mir Bescheid zu geben.
    Tatsächlich hat es mir das eine Mal, als ich auf eine Antwort gedrängt habe und dann genau diese bekam, sehr Leid getan, dass ich davon ausgegangen bin, dass meine Befindlichkeiten unbedingt wichtiger wären, als alles andere, was im Leben der betreffenden Person vorgegangen ist.
    Ich gehöre selbst auch zu den Menschen, die schwer an Kontaktabbrüchen zu knabbern haben, aber es gibt einfach Umstände unter denen es rein emotional eben nicht zumutbar ist.

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