Vergiftete Gedanken (Poisoned Thoughts)

The following is a text I wrote four years ago when I suffered from the most severe depressive episode so far. Scroll down for the English translation.

Die Flüsse der Bitterkeit, so in meinem Herzen zusammenlaufen, haben ein Meer geboren ohne Hafen, und von der Reise, auf welche sie mich mitgenommen, gibt es keine Wiederkehr. Das Glück, so lautet die Erkenntnis, welchem ich teilhaftig geworden, habe ich nicht verdient, viel weniger aber noch die Erfüllung meines einzigen sehnsüchtigen, ja wehmütigen Wunsches: die eine große Liebe zu finden nämlich, einen Menschen, den ich mit dem, was in meinem Innersten ruht, doch geradezu darauf brennt, geweckt und hinausgelassen zu werden, vollkommen erfüllen könnte. Es bedarf dazu keines Glaubens an die Liebe, denn ich weiß, daß es sie gibt, so sie doch in mir wohnt sein Anbeginn der Zeiten. Allein es ist mittlerweile ebenso gewiß, daß sie auch am Ende derselben, so es denn eines geben mag, noch dort sein wird, unzerstörbar zwar, aber verkümmert. Sie ist nämlich wie eine Blume, welcher bei jedem Versuche, aufzublühen, das Wasser entzogen wird, die zwar verwelkt, aber nicht eingeht, und also die Fähigkeit bewahrt, neue Blüten hervorzubringen. Sie ist ein Schein, so die tiefste Nacht zu durchdringen vermag, von vielen bemerkt, von wenigen geachtet, von niemandem acceptiert.
Wenn eine solche Liebe folglich kein Object findet, an welchem sie haften könnte, an welchem sie einen Halt fände und, wichtiger noch, einen Endzweck ihres Daseins, ingleichen dessen Erfüllung, was bleibt zu tun, als einer unerträglichen Demut vor der eignen Nichtswürdigkeit zu verfallen? Sie wird einem somit zur Last, zu einer unabstreifbaren Bürde, so es einem weder zu leben noch zu sterben ermöglicht, es nicht gestattet, daß man sich ihrer auch nur für einen Augenblick entledigte.
Ich stehe längst nicht mehr vor den Toren der Verzweiflung: ich habe die Stadt lange betreten und, wie jeder, so sich einmal hineinbegeben, nimmermehr hinausgefunden, denn ihre eng verwinkelten Gassen ziehen sich dahin als ein Labyrinth, das nicht mehr zu verlassen ist. Diese düsteren Straßen nämlich, von nichts als Schattenbildern verlorner Seelen bevölkert, werden einem allzuschnell vertraut, sie prägen sich einem ins Gedächtnis, langsam zwar, aber mit Nachdruck, so daß die Erinnerung an bessere Zeiten zu verblassen beginnt, sie sie schließlich vollständig ausgelöscht. Stets dieselben Pfade zu beschreiten indes, führt zu keiner neuen Erkenntnis, und ohne eine solche ist es unmöglich, die Pfade des Verderbens zu verlassen. Dieser Kreislauf nun ist unentrinnbar, und vor diesem Wahnsinn kann man nicht wie vor den meisten alltäglichen Dingen die Augen schließen oder sich die Ohren zuhalten. In jedem Augenblicke glaubt man, im nächsten zu zerspringen, und man wäre nur allzu bereit, dies hinzunehmen, so es einem die Erlösung brächte – allein es mag doch nicht geschehen.
Ich habe zu leben versucht, es wahrhaftig versucht, indem ich Menschen meine Liebe zuteil werden ließ, allein ich bin gescheitert, in so vielfältiger Weise gescheitert, daß es mir unerträglich geworden. Also habe ich zu sterben versucht, es willentlich versucht, indem ich mich der Selbstentleibung anvertraute, indes, ich bin auch daran gescheitert, am Zynismus des grausamen Lebensflusses, so bald die schweren Stunden ins Unendliche zu dehnen, bald aber die unbeschwerten zu Bruchteilen von Sekunden zu verkürzen beliebt. Und wiewohl man die Hoffnung auf Genesung schon vor Äonen hat fahren lassen, bleibt doch die Sehnsucht danach, es möchte einen andren, gar erreichbaren Zustand geben, eine blinde Utopie zweifelsohne, so einem Trugbilder vorspiegelt, einen bisweilen in nachgerade euphorischer Weise zu beflügeln beliebt, um einem mit dem jähen Absturze erneut das Rückgrat zu brechen. Soviel Erbauliches, soviel Erhabnes, was der Mensch erdenkt und ersehnt, wie schön es wäre, gäbe es nur diese unüberwindliche Distanz zwischen uns nicht, könnten wir einander wirklich nahe sein, endlich in einen allumfassenden Zustand der Seelengemeinschaft, der Seeleneinheit1 gar, übergehen – all das, nur um zuletzt in einem dunklen Loch in der Erde verscharrt und über die Generationen vergessen zu werden, zu vermodern und endlich zu Staub zu zerfallen.
Mir ist so schrecklich kalt.

[The rivers of bitterness which unite in my heart have borne a sea without a harbour, and there is no return from the journey on which they have taken me. The happiness I enjoyed, thus is the conclusion, I do not deserve, let alone the fulfilment of my only, fervent, nay wistful wish to find the one true love, that is, a human whom I can fulfil with that which lies deep within me, but almost burns to be woken up and let out. There is no need for belief in love, for I know that it exists, since it has dwelled inside me from the beginning of time. Yet meanwhile, it has become equally certain that it will still be there at the end of times, if there be one, indestructible, but withered. For it is like a flower which, at every attempt to blossom, is deprived of water, which wilts, but does not die, and therefore retains the ability to blossom again. It is a shine able to permeate the darkest night, recognized by many, respected by few, accepted by no one.
If, therefore, such a love finds no object on to which it could cling, in which to find support and, even more importantly, a final purpose of its existence, moreover its fulfilment, what remains to do save becoming a slave to an unbearable humility of one’s own baseness? Thus, it becomes a burden, an unwipable burden, which allows one neither to live nor to die, which does not allow one to rid oneself of it for a single moment.
I am not standing before the gates of despair, after all: I have long entered the city and, as everyone who once has entered it, I have never found a way out, for its narrow-winding lanes extend like a labyrinth which can never be left. For one becomes familiar with these gloomy thoroughfares, crowded by nothing but lost souls, all too soon, they form a map in one’s memory, slowly, but vigorously, so that all memory of better times begins to cease, until it has been completely extinguished. Always wandering the same paths, however, will bring no knew knowledge, and without such, it will be impossible to escape the paths of disaster.
This circle now is inescapable, and in face of this insanity one cannot close one’s eyes or cover one’s ears as with most everyday issues. In each moment, one believes to burst in the very next, and one would be all too willing to take this in in case it would bring one relief – yet it does not come to pass.
I tried to live, truly tried, by letting humans partake in my love, yet I failed, failed in so many ways that it became unbearable for me. Therefore, I tried to die, tried it deliberately, by placing myself in suicide’s hands, and yet I failed at this as well, at the cynicism of life’s cruel flow, which soon extends hard times to infinity, soon reduces carefree ones to infinitesimal parts of seconds. And even though one let go of the hope of recovery aeons ago, there yet remains the desire for a different, even attainable state of affairs, doubtless a blind utopia which deludes one with false pretences, sometimes virtually inspires one in a euphoric manner so as to break one’s spine in virtue of the abrupt fall. So many edifying things, so many magnificent things of which Man conceives, how good everything would be, if only there were not this insurmountable distance between us, if only we could be really close to one another, finally reach an all-comprising state of community of minds, even unity of minds1 – all of this just to be buried in a dark hole in the ground and to be forgotten over the generations, to moulder and finally fall to dust.
I feel so terribly cold.]

Anmerkungen [Notes]
1. »Seele« ist an dieser Stelle selbstredend im nichtreligiösen, nichtspirituellen Sinne zu verstehen. [Here, ‘mind’ is, needless to say, to be understood in non-religious, non-spiritual terms.]

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