Einige Gedanken zu gesellschaftlichen Strukturen, Entwicklungen und Veränderungen: Teil III / Some Thoughts on Social Structures, Developments, and Changes: Part III

Je mehr die Masse der einfachen, unterprivilegierten Menschen damit beschäftigt ist zu überleben, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, daß sich ihre Energien wider die Privilegierten zu bündeln vermögen. Diese tun folglich gut daran, die Masse der Bevölkerung nicht nur fortwährend mit allerlei Propaganda zu füttern, sondern ihr zugleich die Lebensgrundlagen zu entziehen, wann und wo immer möglich.
Die Frage, die wir, welche die Gesellschaft verändern wollen, uns stellen und beantworten müssen, lautet daher: Wie können wir diesen Teufelskreis durchbrechen? Anders gefragt: Wie können wir die Energien, die in der Bevölkerung zweifelsohne vorhanden und zu einer großen gesellschaftlichen Umwälzung, wie wir sie beabsichtigen, notwendig sind, bündeln und aufrechterhalten, bis die wichtigsten Maßnahmen abgeschlossen sind?
Danach müssen wir zudem gewährleisten, daß die gesellschaftlichen Strukturen sich nach und nach demokratisieren. Wie wäre dies zu bewerkstelligen? Und: Ab wann, das ist: unter welchen Umständen, ergibt es Sinn, die Staaten aufzulösen?

Was uns not tut, ist ein befreites Denken. Wann aber, das ist: unter welchen Umständen, kann das Denken befreit heißen?
Befreit heißt ein Denken, welches nicht an den Schranken einer gesellschaftlichen Mode haltmacht, nicht vor dem Zeitgeist zurückscheut oder sich demselben gar revisionistisch nähert, sondern sich innerhalb der Grenzen des Möglichen bewegt.
Es ist eigentlich trivial und muß doch stets aufs neue betont werden, daß kein Denken bedingungslos ist noch sein kann. Mit andren Worten, jedes Denken bedarf einer Grundlage. Befreit denken heißt demnach keineswegs bedingungslos denken. Befreit denken heißt vielmehr, immer die Möglichkeit einzuräumen, anders zu denken oder das Denken zu erweitern, und zwar im Rahmen all dessen, was sich nicht begrifflich selbst widerspricht.
Befreit denken heißt ingleichen, kontingente empirische Schranken wenigstens probehalber beiseite zu setzen, und zwar einzig um der Betrachtung (rein anschaulich, theoretisch) des Resultates willen. Kein solcher Gedanke führt notwendig zur Tat, weder zur nützlichen noch zur unnützlichen, weder zur guten noch zur schlechten.
Das Gegenteil des befreiten Denkens aber ist das strikt konservative Denken. Das strikt konservative Denken verläuft in einer ausschließlichen, geraden, (vermeintlich) alternativlosen Bahn. Es herrscht der allem zugrundeliegende Glaube an eine gottgegebene Ordnung vor. Demnach funktioniert die Welt nach einfachen, unabänderlichen Regeln und klaren Strukturen. Jedwedes Problem muß demzufolge von einem Abweichen von diesen Regeln oder einer Verletzung dieser Strukturen herrühren. Den Herrschenden obliegt es mithin, die gottgegebene, gottgewollte Ordnung wiederherzustellen.
Ein sach- und gesichtspunktgerechtes Differenzieren liegt dem strikten konservativen Denken hingegen fern. Mit andren Worten: Man weiß, was man zu denken hat.
Wiewohl das strikte konservative Denken objektiv falsch liegt, verschafft es der politischen Klasse der Herrschenden einen entscheidenden Vorteil hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Interessen: Geschlossenheit im Denken sowohl als und namentlich im Handeln.
Der unterdrückten Klasse stellen sich demgegenüber zweierlei Probleme. Zum einen gibt es unter ihnen durchaus Intellektuelle, die nicht nur den Status quo und seine Ursachen sowie das Nötige zu seiner Beseitigung begreifen, sondern ingleichen brauchbare Ideen zur Fortsetzung des gesellschaftlichen Lebens nach dem Umsturz der alten Ordnung – in diesen Fällen der Bürgerlichen Gesellschaft (BG) – hervorbringen. Die Ideen sind indes kontrovers, weshalb über sie keine Einigkeit besteht, was das konkrete Handeln, namentlich aber das geschlossene Handeln, lähmt, wenn nicht gänzlich hindert. Für gewöhnlich setzen sich letztlich wieder autoritäre Ideen durch, welche lediglich der Etablierung einer neuen gesellschaftlichen Elite dienen.
Zum andren bleibt der Masse der Unterdrückten und Ausgebeuteten die notwendige Theorie hinter den Handlungen überhaupt verschlossen. Sie sind zeitlebens darauf konditioniert worden, der führenden Klasse zu folgen, den eignen Verstand nicht über das Notwendigste des Alltags hinaus zu gebrauchen. Im Gegenteil, man hält sie bewußt und intendiert dazu an, sich der von Medien und Unterhaltungsindustrie erschaffenen Welt der Illusionen hinzugeben. Dies isoliert sie voneinander und damit auch die Kräfte, die zum Widerstand, zur Revolution notwendig wären. Allein diese Maßnahmen der fortwährenden Isolation der Masse und ihrer Energien ermöglicht die Herrschaft der wenigen über die vielen.

The more the mass of ordinary, underprivileged people is occupied with survival, the lower the possibility for its energies to be pooled against the privileged. The latter therefore do well to not only constantly feed the mass of the population with all sorts of propaganda, but also to deprive them of their livelihoods whenso- and wheresoever possible.
The question that we, who want to change society, need to ask ourselves and have to answer is this: How can we break this vicious circle? Put another way: How can we pool and maintain the energies which doubtless are present in the population and are necessary for a great social upheaval, as we intend it, until the main actions to be taken have been completed?
Then we must also ensure that the social structures democratize gradually. How could this be done? And: When, that is: under what circumstances, will it make sense to dissolve the states?

What we need is a liberated mind. When, then, that is: under what circumstances, can a mind be called liberated?
Liberated is a way of thinking, which does not stop at the boundaries of a social fashion, not shying away from the zeitgeist or even converges to it in a revisionist manner, but moves within the limits of the possible.
It is trivial and yet must always be emphasized again that no mind is unconditional nor can be. In other words, every mind requires a foundation. Thus, a liberated mind by no means is to think unconditionally. A liberated mind is rather to always allow for the opportunity to think differently or extend the mind, in the context of everything that does not contradict itself conceptually.
A liberated mind is also to set aside contingent empirical barriers at least tentatively, solely for the sake of the consideration (purely descriptively, theoretically) of the result. No such thought necessarily leads to action, neither useful nor useless, neither good nor bad.
The opposite of a liberated mind, however, is a strictly conservative mind. The strictly conservative mind runs down an exclusive, straight path, (supposedly) without any alternative. The belief in a God-given order which underlies everything prevails. Thus the world works according to simple, unalterable rules and clear structures. Any problem must therefore be caused by a departure from these rules or any violation of these structures. Therefore, it is incumbent upon the rulers to restore the God-given, divinely ordained order. By contrast, nothing is further from the strictly conservative mind than to think in a differentiating manner, appropriate to the respective aspects.
Although the strictly conservative mind is objectively wrong, it gives the political class of the rulers a crucial advantage in terms of their socio-economic interests: unity in thought as well as, and especially in, action.
The oppressed class, in contrast, is presented with two kinds of problems. First, there are certainly among them intellectuals who understand not only the status quo and its causes, and the necessary steps to its disposal, but also produce useful ideas for the continuation of social life after the overthrow of the old order – in these cases, the bourgeoisie. The ideas are controversial, however, for which reasen there is no consensus about them, which paralyses, if not entirely prevents, concrete action, and especially collective action. Usually, authoritarian ideas which only serve to establish a new social elite will prevail again in the end.
On the other hand, the necessary theory behind the actions remains completely obscure to the masses of the oppressed and exploited. All their life, they have been conditioned to follow the leading class, to make no use of their own understanding beyond everyday necessities. On the contrary, they are deliberately and intentionally urged to abandon themselves to the world of illusions created by the media and the entertainment industry. Thus, they are isolated from one another and thereby also the powers required for resistance, for the revolution. Only these measures of continuous isolation of the masses and their energies enables the rulership of the few over the many.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s