Einige Gedanken zu gesellschaftlichen Strukturen, Entwicklungen und Veränderungen: Teil VII / Some Thoughts on Social Structures, Developments, and Changes: Part VII

Wie funktioniert die BG? (b)

Die zahlenmäßige Überlegenheit der wenig begüterten Bevölkerung muß die Bourgeoisie nicht bekümmern, solange sichergestellt bleibt, daß

  • (i) die unterdrückte, ausgebeutete Bevölkerung ihres wahren Zustandes nicht gewahr wird und
  • (ii) die unterdrückte, ausgebeutete Bevölkerung ihre Energien nicht zu bündeln und wider die Unterdrücker und Ausbeuter zu richten vermag.

Zur Aufrechterhaltung der BG, die notwendig Klassengesellschaft ist, bedient sich die herrschende Klasse mehrerer Mittel.

  • (1) Die arbeitende Bevölkerung, die mit Hilfe ihrer Arbeitskraft sämtliche gesellschaftliche Güter des Warenmarktes hervorbringt, wird permanent um den erzeugten Mehrwert der von ihr erzeugten Waren betrogen. Wiewohl der Arbeiter mit seiner Arbeitskraft dem Rohstoff das Wesentliche hinzufügt und ihn gesellschaftlich überhaupt erst nutzbar macht, behält sich der Kapitalist vor, dem Arbeiter den schon zu geringen Lohn durch den Verkauf des Produktes wieder abzunehmen – und betrügt ihn damit gleich doppelt.

  • (2) Die arbeitende Bevölkerung wird stets auf einer ökonomischen Ebene gehalten, welche nichts anderes als einen Kampf ums Überleben darstellt. Die hierzu benötigten Energien lassen sich nicht mehr für den Widerstand mobilisieren, sondern bleiben permanent in einen klasseninternen Kampf eingebunden – sie werden und bleiben neutralisiert.
    Bildung und Verteilung materiellen Wohlstandes spielen hierbei eine gleichermaßen bedeutende Rolle, denn materieller Wohlstand erlaubt den Zugang zu Bildung sowohl als die Muße zur allgemeinen und mithin gesellschaftspolitischen Reflexion. Kommt die Bevölkerung auch nur zeitweise in den Genuß von Bildung und materiellem Wohlstand, besteht sowohl die Gefahr, daß sie ihren wirklichen Zustand erkennt, als diejenige, daß sie ihre Energien durch Frustration und Wut um ein Vielfaches potentiert, zu bündeln und endlich wider ihre Unterdrücker und Ausbeuter zu richten.
    Tritt demzufolge vermehrt Widerstand aus der Bevölkerung auf, muß die herrschende Klasse den Lebensstandard senken, Bildungszugang erschweren bis verunmöglichen und die wenigen Intellektuellen, darunter Journalisten und die parlamentarische, namentlich aber außerparlamentarische Opposition, durch repressive Maßnahmen (Einsatz von Polizei und Militär wider die eigene Bevölkerung) einschüchtern.

  • (3) Die doppelte Funktion der Ehe. In der BG erfüllt die Institution der Ehe dieselben zwei Funktionen als in der SG. Einerseits ermöglicht sie die Besitzstandswahrung mit der einhergehenden Macht durch Verschwägerung der herrschenden Klasse untereinander, zum anderen sorgt sie in der unterdrückten, ausgebeuteten Klasse für (a) Nachwuchs der Ressource Humankapital und (b) Förderung des Überlebens- und damit klasseninternen Kampfes.
    Religiöse Einwände wider die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern dient nur als Vorwand. Die gleichgeschlechtliche Ehe erzeugt keinen Nachwuchs, womit weder Besitzstandswahrung der Eliten noch der Nachwuchs an Humankapital gewährleistet bleiben. Dies ist der wirkliche Grund für die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe.
    Sollte die Ehe nämlich nach Vorstellung des 18. Jahrhunderts als Vereinigung zweier Liebender verankert werden, bedürfte es gar keiner gesonderten Regelung.

  • (4) Ideologische Gleichschaltung der Medien, permanente Propaganda. Die Medien dienen in ihrer Mehrzahl nicht der freien Informationsverbreitung und -zugänglichkeit. Sie sind vielmehr das Propagandasprachrohr der herrschenden Klasse. In der BG gelten die Medien zwar nicht als gesetzlich gleichgeschaltet, müssen aber auf Grund ihrer Konzentration in der Hand weniger Großkonzerne als ideologisch gleichgeschaltet angesehen werden.
    Die Diversifikation der Medien erlaubt es mittlerweile, die Bevölkerung permanenter Propaganda auszusetzen und mithin abzulenken, ihre Energien zu zerstreuen und wider einander zu richten.

How does the BS operate? (b)

The numerical superiority of the sparsely prosperous population need not trouble the bourgeoisie as long as it is guaranteed that

  • (i) the oppressed, exploited population does not become aware of its true condition and
  • (ii) the oppressed, exploited population remains unable to pool its energies and turn them on the oppressors and exploiters.

For the maintenance of the BS, which necessarily is a class society, the ruling class employs several means.

  • (1)

    The working population, who, by means of its manpower, yields all socials goods for the market, is permanently cheated out of the surplus value of the goods yielded by them. Although the worker adds the substantial amendments to the raw material by means of his manpower and thus makes it socially usable in the first place, it is for the capitalist to take away the already too low wages from him time and again by selling the product to him – and thereby tricks him twice.

  • (2)

    The working population is kept upon an economic level, which is nothing more than a struggle for survival. The energies required for this can no longer be mobilized for resistance, but remain permanently embedded in a great internal struggle – they are and remain neutralized.
    Formation and distribution of material wealth play an equally important role, because material wealth allows access to education as well as the leisure to general and hence socio-political reflection. Is the population even temporarily to benefit from education and material wealth, there is both a risk that it recognizes its true condition, and that it increases its energies by frustration and anger many times over, pools and finally turns it on its oppressors and exploiters. If, consequently, resistance from the population arises more often, the ruling class must lower the standard of living, make the access to education more difficult or even impossible, and intimidate the few intellectuals, including journalists, parliamentary, and especially extra-parliamentary opposition, by repressive measures (deployment of police and military against their own people).

  • (3) The dual role of marriage. In the BS, the institution of marriage fulfills the same two purposes as in the ES. On the one hand, it allows grandfathering including the associated power through intermarriage of the ruling class among itself, on the other hand, it guarantees among the oppressed, exploited class (a) procreation of the resource of human capital and (b) promotion of the struggle for survival and and thereby class-internal struggle.
    Religious objections to the marriage of same-sex partners is just an excuse. Same-sex marriage does not produce offspring, which leaves no guarantee for grandfathering of the elites or for the procreation of human capital. This is the real reason for the rejection of same-sex marriage.
    For if marriage, according to the idea of the 18th century, were to be established as the union of two lovers, no separate regulation would be required.

  • (4) Ideological conformity of the media, constant propaganda. In their majority, the media are not for the free dissemination of information or its accessibility. They are rather the propaganda mouthpiece of the ruling class. In the BS, the media are not considered legally forced into line, but, due to their concentration within the hands of a few large corporations, to be considered ideologically in line.
    The diversification of the media allows by this time to expose the population to permanent propaganda and thus distract it, to divert its energies and make it turn them on one another.

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