Einige Gedanken zu gesellschaftlichen Strukturen, Entwicklungen und Veränderungen: Teil VIII / Some Thoughts on Social Structures, Developments, and Changes: Part VIII

Wie funktioniert die BG? (c)

Daß sich die sozioökonomischen Verhältnisse seit dem Übergang von der SG in die BG diversifiziert haben, hat nichts an den grundlegenden Verhältnissen geändert.
So gibt es zwischen beiden Klassen eine ständige Fluktuation: Manche steigen auf, manche steigen ab. Die Ausnahme bestätigt indes die Regel. Das Vermögen ist heute für gewöhnlich ererbt. Ein Lotteriegewinn kann einen Mittellosen nach oben katapultieren. Wer sich verkalkuliert, kann ganz nach unten fallen. In der Regel bleiben aber die Klassenangehörigen an ihren jeweiligen Ausgangspunkten.
Der Angestellte ist eine moderne Variante des Arbeiters. Auch er produziert gesellschaftlichen Mehrwert, den der Arbeitgeber abschöpft und einbehält, das ist: sich aneignet. Die Arbeit der Angestellten mag im Vergleich zum klassischen Arbeiter körperlich weniger, dafür aber häufig psychisch mindestens genauso aufzehrend sein. Ist der Angestellte gegenüber dem klassischen Arbeiter finanzielle leicht bessergestellt, muß er doch ebensosehr sein Leben lang seine Arbeitskraft verkaufen, so er nicht zufällig erbt oder in der Lotterie gewinnt oder was immer sonst die gelegentliche Fluktuation ermöglichen mag.
Zum Warenkapitalismus, der notwendig auf die wirkliche Güterproduktion und – konsumption angewiesen ist, hat sich der davon (inzwischen) völlig unabhängige Finanzkapitalismus gesellt. Der Finanzmarkt scheint zwar in einigen Fällen noch mit dem Warenmarkt verbunden, zum Beispiel wenn man auf Lebensmittel spekuliert. Der Schein trügt jedoch. Worauf hier tatsächlich spekuliert wird, ist nicht, was tatsächlich an Lebensmitteln produziert, konsumiert und benötigt wird, sondern wie sich Tendenzen abzeichnen. Dem verstandestätigen Auge bleibt dabei, trotz des pseudowissenschaftlichen Anstrichs, nicht verborgen, worum es sich tatsächlich handelt: Glücksspiel.
Der Finanzmarkt beschleunigt den typischen Gang des kapitalistischen Wirtschaftens auf (sogenannten) freien Märkten: Oligopole enstehen, indem Unternehmen andre Unternehmen und damit zusätzliches Kapital absorbieren. Selbst auf einem idealen Markt, auf welchem jeder unter den gleichen Bedingungen anfinge (was in Wirklichkeit selbstredend niemals der Fall ist), setzten sich früher oder später einige gegen andre durch, so daß die Oligopole entstünden. Der Finanzmarkt erleichtert die Oligopolbildung, weil mit real nicht vorhandenem Kapital mehr Kapital akkumuliert werden und theoretisch ad indefinitum erhöht werden kann. Der Zweck der weiteren Akkumulation über die Realwirtschaft und deren Verhältnisse hinaus besteht dabei nicht darin, wie man zunächst vermuten könnte, mehr Besitz in materiellem Sinne aufzuhäufen. Die herrschende Klasse kann bereits heute und seit einigen Jahrzehnten alle Waren und Dienstleistungen der Realwirtschaft aufkaufen. Selbst bei ausschließlichem Konsum von Luxusgütern könnten die Reichsten der Reichen ihr Vermögen nicht vollständig aufbrauchen.
Es verhält sich vielmehr folgendermaßen. Mit dem Besitzstand geht die Macht einher, die ein Mensch innezuhaben beziehungsweise auszuüben vermag. Es folgt eine klassische Pawlowsche Konditionierung. Klingelt man jeweils, bevor man einem Hund Futter gibt, mit einer Glocke, so beginnt bei ihm früher oder später der Speichelfluß schon beim Ertönen der Glocke, das ist: bevor der eigentliche, ursprüngliche Auslösereiz, nämlich die Nahrungsaufnahme, einsetzt. Es entsteht eine positiv besetzte Assoziation zu dem ursprünglich neutralen Reiz des Klingelns der Glocke.
Ähnliches gilt für die unendliche Kapitalakkumulation. Diese wird mit Macht positiv assoziiert und entwickelt sich schließlich zu einem Selbstzweck. Wie O’Brien in Orwells Nineteen Eighty-Four sagt: Macht um der Macht willen. So auch die Kapitalakkumulation: Akkumulation um der Akkumulation willen.

How does the BS operate? (c)

That the socio-economic conditions have diversified since the transition from the ES to the BS has done nothing to change the basic conditions. Thus, there is a constant fluctuation between both classes: Some move up the ladder, some move down the ladder. The exception proves the rule, however. Today, property is usually inherited. A lottery win can catapult a destitute person to the top. Those who miscalculate can fall to the bottom. But as a rule, class members remain at their starting positions.
The employee is a modern variant of the worker. He also produces social value that the employer deducts and siphons off, that is appropriates to himself. The work of employees may, in comparison to the classical worker, be physically less, but mentally exhausting just as often. Although the employee is, compared to the classical worker, slightly better off financially, he is required to sell his manpower just as much all his life, unless he accidentally inherits or wins the lottery or whatsoever else may make the occasional fluctuation possible.
Goods capitalism, which necessarily depends upon the actual production of goods and the consumption thereof, has been joined by a (now) independent financial capitalism. The financial market seems indeed in some cases linked to the goods market, for example, in case of speculation in food. Appearances are deceptive, however. What is actually speculated in here is not the actually produced, consumed, and required amount of food, but how trends emerge. It does not remain hidden from the rational mind, despite the pseudo-scientific veneer, what this actually is: gambling.
The financial market accelerates the typical process of capitalist economy on (so-called) free markets: oligopolies are formed by the absorption of companies by other companies, and thus of additional capital. Even on an ideal market, where everyone would begin under the same conditions (which, of course, is never actually the case), sooner or later some would prevail over others, so that the oligopolies would arise. The financial market facilitates the creation of oligopolies because with in reality not existing capital, more capital can be accumulated and theoretically increased ad indefinitum. The purpose of the further accumulation of capital beyond the real economy and its conditions does not, as one may initially assume, consist in amassing more possessions in the material sense. Today, the ruling class can, and has been able to do so for several decades already, buy up all goods and services in the real economy. Even in case of the exclusive consumption of luxury goods, the richest of the rich could not use up their assets completely.
The truth is rather this. With acquis, there comes along the power a person can hold or wield. What follows is a classic Pavlovian conditioning. If one rings a bell each time before giving a dog food, sooner or later its salivation will commence at the sound of the bell, that is, before the actual, original triggering stimulus, namely the feeding. The result is a positive association with the initially neutral stimulus of ringing the bell. The same applies to the endless accumulation of capital. It is positively associated with power and eventually evolves into an end in itself. As O’Brien in Orwell’s Nineteen Eighty-Four says: power for power’s sake. Thus the accumulation of capital: accumulation for accumulation’s sake.

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